Motomonday #6 - Geröll fahren lernen

adventure bmw gs enduro motorradkontrolle offroad reiseenduro Mar 24, 2025
Niko Wecker fährt mit einer BMW GS 1250 Adventure Bike durch schweres Geröll in einer Übung für mehr Motorradkontrolle im Offroad für Reiseenduros

Die Sonne steht tief, Staub liegt in der Luft. Du bist am Fuß eines Berges mitten auf einem schmalen Anstieg, Geröll liegt verteilt am Boden. Plötzlich rollt ein Stein unter deinem Vorderrad zur Seite. Das Bike zuckt. Du versuchst zu balancieren doch die Räder schlagen um sich - die Linie wird unruhig, der Puls steigt. Jetzt heißt es: Ruhe bewahren, locker stehen, Blick nach vorn. Das Unerwartete erwarten. Und genau darum geht es heute.

 


Inhaltsverzeichnis

  1. Warum Geröll so fordernd ist

  2. Blickführung: Der beste Kampf ist der, der nicht stattfindet

  3. Körperhaltung: Locker bleiben, wenn’s hart wird

  4. Gasanlage & Kupplung: Konstanz statt Hektik

  5. Bonus-Tipp: Was tun, wenn du hängst?

  6. Realistische Einschätzung: Manches darf schwer sein

  7. Fazit: Chaos lesen lernen

 

Zeit zum Lesen: ca. 5 Minuten


 

1. Warum Geröll so fordernd ist

Im Gegensatz zu anderen Untergründen wie Sand oder Schotter ist Geröll unberechenbar. Kein Stein liegt wie der andere, manche sind fest im Boden, andere bewegen sich plötzlich. Es gibt keine Konstanz. Jeder Meter kann anders sein. Genau das ist die Herausforderung.

Du musst lernen, das Chaos zu lesen. Zu spüren, wann ein Stein zur Seite schnappen könnte, wann du Druck brauchst und wann Loslassen angesagt ist. Diese feinen Unterschiede machen das Fahren in losem Geröll zu einer der anspruchsvollsten Disziplinen im Offroad-Bereich – Vor allem mit schweren Bikes wie einer BMW GS oder Honda Africa Twin. Klar, solange man im Rollen bleibt, ist alles gut. Aber sobald die Linie nicht passt, der Körper ein Tick zu verkrampft ist, das Bike zur Seite geschlagen wird und der Schwung fehlt und man anfängt zu kämpfen oder das Motorrad wieder hoch zu stemmen (am Besten, wenn es bergab liegt); spätestens dann fragt man sich, warum man es nicht gleich richtig angegangen ist.

 


2. Blickführung: Der beste Kampf ist der, der nicht stattfindet

Einer der einfachsten und gleichzeitig effektivsten Tipps: Schau früher weiter voraus!

Viele Fahrer verfallen in schwierigen Passagen in den Fehler, direkt vor das Vorderrad zu starren. Im Geröll ist das fatal. Du brauchst Abstand zum Geschehen, um Linien lesen zu können. Nur dann entdeckst du ruhigere Passagen oder eine gute Linie zwischen den losen Steinen.

 


3. Körperhaltung: Locker bleiben, wenn’s hart wird

Geröll fährt man nicht mit Kraft, sondern mit Beweglichkeit.

  • Mittig über dem Bike stehen

  • Beine aktiv, leicht gebeugt

  • Arme locker, nicht verkrampfen

  • Lenker führen, nicht festhalten

Wenn du versuchst, dein Motorrad "festzuhalten", blockierst du die Bewegung. Das Bike muss unter dir arbeiten dürfen. Die Schwingungen ausgleichen, die kleinen Richtungswechsel mitgehen. Genau das trainierst du am besten in langsamen, kontrollierten Situationen.

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4. Gasanlage & Kupplung: Konstanz statt Hektik

Viel hilft nicht immer viel. Im Geröll ist es besser, mit konstantem, leichtem Gaszug zu fahren.

Wenn du zu stark beschleunigst, verlierst du Traktion oder kontrollierst nicht mehr, wohin der Stein dich schiebt. Viel besser: Vorausschauend fahren, Gas gleichmäßig halten, mit der Kupplung fein regulieren. Manchmal kann es helfen, das Gas wegzunehmen oder mit der Kupplung kurz zu regulieren, wenn ein Schlag kommt, und dann wieder sanft hinzuzugeben.

Die richtige Gas- und Kupplungskontrolle kann einiges an Übung erforderlich machen, gibt dir aber Sicherheit und Stabilität.

 


5. Bonus-Tipp: Was tun, wenn du hängst?

Jeder bleibt mal stecken. Wichtig ist, nicht kopflos weiterzumachen. Stattdessen:

  • Anhalten, tief durchatmen

  • Analysieren: Wo liegt das Problem?

  • Steine vor dem Hinterrad entfernen

  • Spur befreien, ggf. Motorrad zurückziehen

  • Dann beherzt wieder losfahren, in manchen Fällen mit Kupplungsimpuls

Ein kurzes Anhalten spart dir oft mehr Kraft, als wenn du im Hauruck-Stil versuchst, dich irgendwie rauszukämpfen. Direkt mit dem Hinterrad an den nächsten Stein zu kommen, und sich daran dann abzumühen, ohne dass man Schwung aufbaut, macht keinen Spaß. Nimm dir einen Moment, Positionier dein Bike bei Bedarf neu und fahr richtig los.

 

 

6. Realistische Einschätzung: Manches darf schwer sein

Nicht jeder Abschnitt muss/kann gefahren werden. Wer clever ist, entscheidet bewusst: Schiebe ich kurz? Setze ich mal einen Fuß ab? Suche ich mir eine Alternativlinie?

Sicher unterwegs zu sein, bedeutet nicht, alles zu fahren. Sondern: Die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit zu treffen. Besonders bei schweren Adventure Bikes über 1000ccm kann das entscheidend sein.

 


7. Fazit: Chaos lesen lernen

Geröll zu fahren bedeutet, kontrolliert im Unkontrollierbaren zu bleiben. Wer das kann, fährt nicht nur sicherer, sondern auch mit deutlich mehr Spaß und Leichtigkeit.

  • Blick nach vorn

  • Locker bleiben

  • Gleichmäßig fahren

  • Und: Nicht hetzen, wenn du hängst

Wenn du diese Prinzipien verinnerlichst, ist Geröll nicht mehr dein Feind, sondern eine spannende Herausforderung.

Viel Spaß bei deinem nächsten Offroad-Abenteuer – und bleib locker, auch wenn’s unter dir wackelt.

- Jan und Felix

 

 

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